Goju-Ryu Goju-Ryu  ["go" (hart), "ju" (weich) und "ryu" (Stil)] ist einer der vier Hauptstilrichtungen im heutigen Karate. Seine Wurzeln reichen weit in die ursprünglichen chinesischen Kampfkünste zurück. Der Name Goju-Ryu wurde von Chojun Miyagi gewählt. Miyagi bezog sich bei der Auswahl des Stilnamens auf das Buch Bubishi. Eine der dort "Acht Regeln des Faustkampfes" (kenpo no taiyo hakku) lautet "Alles im Universum atmet hart und weich" (ho goju donto). Geschichte Sowie auch die anderen großen Stilrichtungen entwickelte sich Goju-Ryu Karate aus der Erforschung und Systematisierung effektiver unbewaffneter Kampfbewegungen auf Okinawa. Die Entwicklung des Goju-Ryu Karate ist eng mit der Geschichte von China, Ryukyu und Japan verbunden. Stilabgrenzung Das einheimische Kampfsystem "Te"  wurde durch den Einfluss des chinesischen Quanfa beträchtlich verbessert und ab dem 18.Jahrhundert "Tode"  genannt. Daraus entwickelte sich mit der Zeit schließlich das ursprüngliche Karate, welches in Shuri-te , Tomari-te  und Naha-te eingeteilt wurde, also in die spezifischen Kampfmethoden der Bezirke Shuri, Tomari und Naha. Diese Einteilung ist teilweise noch heute gültig. Daneben gibt es weitere ursprüngliche Stile, die den genannten Einteilungen nicht direkt zuzuordnen sind. Ferner werden diese Stile zwei übergeordneten Klassen zugeordnet: Shorin-Ryu und Shorei-Ryu. Für Goju-Ryu ist der Stil Shorei-Ryu von elementarer Bedeutung. Er beschreibt üblicherweise das Naha-te und somit das spätere entstandene Goju-Ryu. Die Entwicklung dieser Strömung unterlag dabei streng dem Einfluss südchinesischer Stile. Shorei bedeutet so viel wie "klarer Geist". Zum Shorei-Ryu ist, wegen ihrer ebenfalls südchinesischen Herkunft, auch Uechi-Ryu zu zählen. Gojo-Ryu Uechi-Ryu Historische Protagonisten Higashionna Kanryo (1853-1917) Kanryo wurde am 10. März 1853 in Nishimachi, Naha, Okinawa geboren. Im Alter von 15 Jahren begann er sein Training im Karate mit Arakaki Seisho Im Alter von 22 Jahren bereiste er China und ging nach Fuzhou  in der südchinesischen Provinz Fukien. Man sagt, dass er die Hafenstadt 1873 erreichte und fünfzehn Jahre blieb. Es ist nicht ganz klar, bei wem er welchen Stil genau studierte. Sicher jedoch ist, dass er einen Meister des Baihequan Quanfa, namens Ryu Ryuk fand, der ihn nach langer Zeit schließlich als Schüler akzeptierte und ihn im Kranichstil (Hequan, "Weißen Kranichboxens") unterrichtete. Ein allgemeiner Begriff für die südchinesischen Boxstile jener Zeit wird als Pan Gainoon bezeichnet, welches wörtlich übersetzt "halb-hart halb-weich" bedeutet. Dazu studierte Kanryo auch Waffentechniken. Jahre späte kehrte er nach Okinawa zurück und eröffnete 1890 seinen eigenen Dojo in Naha, in welchem er unter anderem Miyagi Chojun unterrichtete. Miyagi Chojun (1888-1953) Geboren am  25. April 1888 in Higashimachi, Naha. Bereits im jungen Alter von 10 Jahren begann Miyagi seinen Unterricht bei Higashionna Kanryo. Nach seiner "Matura" übernahm er den Familienbetrieb. Auf Bitte seines Meisters Higashionna bereiste er mit ihm China für einen mehrmonatigen Trainingsaufenthalt. Während dieser Reise starb jedoch Higashionna. So kam es, dass Miyagi zum offiziellen Nachfolger wurde und noch mehrmals Reisen nach China antrat. Miyagi baute sich eine eigene Karateschule auf und wurde somit zum Namensgeber des Goju-Ryu. Unter anderem durch Miyagis Wirken wurde das Goju-Ryu der erste Karate-Stil, der offiziell vom Dai Nippon Butokukai 1933 anerkannt und registriert wurde. Gleichzeitig war Miyagi der erste Karateka, der vom Dai Nippon Butokukai einen japanischen Budo-Titel im Karate-jutsu verliehen bekam, den eines Kyoshi. Nach seinem Tod 1953 gründeten einige seiner Schüler selbst Goju-Ryu-Dojo und Verbände. Yagi Meitoku (1912-2003) Er wurde am 6. März 1912 geboren. 1926 begann er sein Training unter Miyagi Chojun. Nach Miyagis Tod wurden ihm durch Miyagis Familie Dogi und Obi des Meisters vererbt. Er wurde somit zum offiziellen Nachfolger auf Okinawa. Spezifizierung: Meibukan, gegründet 1952. Yamaguchi Gogen (1909 - 1989) Yamaguchi wurde am 20. Januar 1909, als 3. Sohn der Yamaguchi-Familie in Kagoshima/Japan, geboren. Schon in früher Jugend begann Yamaguchi mit dem Training von Kampfkünsten. Zum Karate kam er letztendlich durch Sensei Maruta, der aus Okinawa stammte. 1929 traf Gogen Yamaguchi erstmals den Begründer des Goju-Ryu Shihan Chojun Miyagi, unter welchem er ab 1931 trainierte. Während Gogen zuvor nur den harten Karatestil praktizierte, wurde ihm von Miyagi die weichere (innere) Schule nahe gebracht. Er galt nach dem Tod seines Meisters als offizieller Nachfolge des Goju-Ryu in Japan. Yamaguchi Gogen starb im Alter von 80 Jahren. Er hinterließ zahlreiche Erben. Einer der wichtigsten ist sicher Tokio Funasako, 8.Dan welcher 1967 von Gogen Yamaguchi in die japanische Nationalmannschaft aufgenommen wurde. 1968 wurde Funasako Sensei dann beauftragt, Goju- Ryu in Deutschland zu verbreiten. An’ichi Miyagi (1931 - 2009) An’ichi Miyagi wurde am 9.Februar 1931 in Naha Okinawa geboren. Nach dem 2. Weltkrieg  (1948) startete er sein Training mit drei Freunden unter Chojun Miyagi. Nach dem Tod seines Meisters im Jahre 1953 übernahm er die Schule. Kurz darauf unterrichtete er Morio Higaonna. 1957 baute er gemeinsam mit Eiichi Miyazato den Dojo Jundokan und wurde somit zum Begründer des Jundokans.  1959 verließ er jedoch den Dojo, da es zu Streitigkeiten zwischen ihm und Miyazato kam. Am 28. April 2009 verstarb An’ichi Miyagi. Morio Higaonna (1938 - heute) Geboren wurde Higaonna am 25.Dezember 1938 in Naha, Okinawa. Während des 2. Weltkrieges wanderte seine Familie nach Südjapan aus, bevor die Amerikaner 1945 die Insel besetzten. Kurz nach dem Krieg kehrte er wieder zurück und begann im Alter von 14 Jahren das Training mit seinem Vater in der Stilrichtung Shorin Ryu. Er trainierte mit Ei’ichi Miyazato im Dojo Jundokan und später mit An’ichi Miyagi, welche wiederum Schüler von Chojun Miyagi waren. 1957 wurde ihm der 1.Dan verliehen. 1968 zog Higaonna nach Tokio und studierte Handelswissenschaften an der Takushoku Universität und begann bald als Karate-Lehrer am Yoyogi Dojo. Nach 15 Jahren Unterricht kehrte er letzlich an seinen Geburtsort Okinawa zurück, wo er  1979 die IOGKF (International Okinawan Goju-Ryu Karate Federation) gründete, welche mittlerweile in über 30 Ländern vertreten ist. Im September des Jahres 1987 zog Higaonna mit seiner Familie nach Süd Californien und eröffente dort seinen neuen Dojo. Im Jahre 2007 wurde ihm der höchste Dan (10.Dan) von seinem Meister An’ichi Miyagi verliehen. Weiters ist Moria Higaonna Autor von mehreren Büchern: ”Traditional Karate-do: Okinawa Goju Ryu (1985)” “The history of Karate: Okinawan Goju Ryu (2001)”. Tagkeji Ogawa (1942 - heute) Shihan Takeji Ogawa wurde am 24.November 1942 in Chiba in der Nähe von Tokyo geboren. Bereits mit 7 Jahren startete er sein Karatetraining. 1970 wurde für Öaterreich ein japanischer Trainer gesucht. Der österreichischen Botschaft in Tokyo gelang es Ogawa als 3.Dan ins Land einzuführen, wo er für 3 Jahre in Wien Karate unterrichtete. 1974 lehrte er die Kunst des Karate beim ASKÖ Karate Steyr, wo er auch seine Frau Regina kennen lernte. In den Jahren 1985 bis 1992 war Shihan Ogawa österreichischer Bundestrainer. Dank seiner Leitung gelang dem österreichischen Karatesport der Anschluss an die internationale Spitze. Shihan Ogawa war auch maßgeblich an der Verbreitung des Goju Ryu Karate in der Slowakei, Kroatien und Slowenien beteiligt. 2009 wurde ShihanTakeji Ogawa vom Slowakischen Verband der 9.Dan verliehen. Charakteristik Im traditionellen Goju-Ryu Karate werden Verteidigungs-, Angriffs- und Ausweichbewegungen mit allen Teilen des Körpers verbunden und mit Tai sabaki im Kampf eingesetzt. Charakteristisch sind die effektiven Nahkampftechniken, sowie das Ausführen von harten und weichen Bewegungen (Goju). Allerdings lehrt Goju- Ryu, wie auch alle anderen Stilrichtungen, den Kampf über alle Distanzen. Besondere Aufmerksamkeit wird auch der Atmung, die Ibuki oder Ikibuki genannt wird, gewidmet. Um genauer zu sein wird auf die Koordination der Atmung mit den Bewegungen, vor allem in den Heishu-Kata Sanchin und Tensho, großen Wert gelegt. Die so genannten "Klebenden Hände" ( Kaki-e) sind ebenfalls eine Spezialität der Stilrichtung. Goju-Ryu Kata Dynamische, kreisförmige Bewegungen und einen stabilen Stand sind charakteristische Merkmale für die Kata im Goju-Ryu. Da Karate eine sehr alte Kampkunst mit chinesischem Ursprung ist, sind viele Kata nachweislich mehrere hunderte Jahre alt und in ihrem Namen oft nicht eindeutig zu übersetzten. Für die Stilrichtung wurden 12 Kata Chojun Miyagi festgelegt. Weiters kommen noch die fünf Taikyoku-Kata, die ihren Ursprung in Japan haben, hinzu. Folgende Kategorisierung ist grob möglich: Kategorie: "Fukyu-Kata" ("verbreitete Kata" --> Anfängerkata) "Kihon-Kata" ("Kata der Grundschule") "Koryu-Kata" ("Kata der alten Schule" --> klassische Kata mit chinesischem Ursprung) Typus:   "Haishu-Kata" ("Kata der geschlossenen Hand") "Kaishu-Kata"  ("Kata der offenen Hand") "Haishu" und "Kaishu" sind zwei wichtige Konzepte des Goju-Ryu. Wobei "Hai" geschlossen und "Kai" geöffnet bedeutet. Die Silbe "Shu" bedeutet Hand und ist jedoch nur symbolisch zu verstehen. Tatsächlich werden dabei der Spannungszustand der Muskulatur, sowie die Funktion der Gelenke in der Kata, beschrieben. Haishu: Es wird eine gleichmäßig große Spannung über die ganze Ausführung der Kata hindurch beibehalten. Die Gelenke werden dabei "eingerastet" bewegt und die Atmung begleitet die gesamte Bewegung. Kaishu: Die entscheidende Spannung ist nicht in der Bewegung als solches, sondern lediglich im Kime- Punkt vorhanden. Bedeutung von Taikyoku: “tai” (groß) “kyoku” (viele Bedeutungen - Pol, Ende, Extrem, bis zum Ende gehen, das Extreme erreichen) Philosophie Nicht nur der technische Grundriss, sondern auch die philosophischen Werte des Karate werden durch Kata vermittelt und weitergegeben. Wichtig ist, dass jede Goju-Ryu Kata mit einer Defensivbewegung beginnt. Dabei kommt zum Ausdruck, dass Karate nur als Reaktion auf einen Angriff gedacht ist, niemals jedoch als unbegründete Aktion aus sich selbst heraus. Vorzüge des Karate nach Chojun Miyagi: 1. Es ist nicht viel Platz zum Üben des Karate notwendig. 2. Man kann Karate alleine oder mit anderen in einer Gruppe üben. 3. Man braucht nicht viele Stunden, um Karate zu üben. 4. Man kann die Kata wählen, die für die körperliche Physis geeignet ist und sie unabhängig vom Alter und Geschlecht üben. 5. Man kann Karate, ohne viel Geld auszugeben, mit einfacher Ausrüstung oder ohne sie üben. 6. Karate ist ein wirkungsvolles Mittel zur Förderung der Gesundheit. Es gibt viele Karateka die gesund sind und lange leben. 7. Als Ergebnis des Trainings von Körper und Geist entwickelt man den Charakter und erwirbt einen unbezwingbaren Geist. Logos/Symbole Als Symbol verschiedener Dojo existieren unterschiedliche Logos. So kommt es dazu, dass die verschiedenen Stile, wie Meibukan und Jundokan, unterschiedliche Logos aufweisen, obwohl sie aus derselben Linie (von Miyagi) stammen. Neben den zahlreichen Logos auf Okinawa sind in Europa seit langem zwei Logos für Goju-Ryu bekannt. Einerseits die Drachenkopffaust der japanischen Yamaguchi-Linie und die im "Shiko-Dachi" stehende Drachenfigur des Yuishinkan. Die Figur des Yuishinkan stimmt  übrigens mit dem alten Familienzeichen einer Adelsfamilie von Ryukyu (Okinawa) überein. Beide Logos stehen für den Drachen ("Tatsu"), da es sich beim Goju-Ryu um einen "Drachen-Stil" handelt. Anders als zum Beispiel beim Shotokan (Tiger, "Tora") ist das Tier nicht direkt im Symbol zu finden, da es sich beim Drachen um ein Hoheitstier der Chinesen handelt. Auch wenn die Wurzeln des Karate ursprünglich in China liegen, würde dies kaum ein japanischer Meister zugeben, geschweige denn ein Hoheitszeichen der Chinesen zulassen. Die Drachen sind in den beiden Logos nicht leicht zu erkennen. Bei der Faust handelt es sich, wie bereits erwähnt, um eine Drachenkopf-Faust, eine Technik des Drachens, bei der Figur sogar um den Drachen selbst. Zu erkennen ist der Drache an seinem Schwanz. © Shiai Karate-Do Wien --- Text wurde nach Wikipedia zitiert “Oberstes Ziel im Karate ist nicht Sieg noch Niederlage, der wahre Karateka strebt nach der Vervollkommnung seines Charakters”